Rawside, Eisenpimmel, Dritte Wahl, Supernichts, 1982, S.i.K und viele mehr

Ort: Turbinenhalle, Oberhausen, Datum: 27.12.2010

Ganz viele Punker besoffen in der Ecke liegend sehen, teilweise mit dick-vereiterten Stirnen wo die riesigen Sicherheitsnadeln aus Oma´s Nähköfferchen tief im Fleisch verankert sind, das musste ich mir unbedingt mal wieder anschauen. Schließlich ist das letzte "Punk im Pott" wo ich war, zwei Jahre her und ich war auf Entzug. Außerdem muss das Jahr doch noch richtig asozial verabschiedet werden! Bis zum Schluss wussten wir schneebedingt nicht, ob wir mit der Bahn fahren oder doch den Kampf gegen den Schnee per Auto gewinnen wollten. Dee Dee Ramone (die kleine Namensänderung wird er wohl überstehen) trudelte in Handorf bei mir ein und wir tauschten wie (fast) immer Tapes. War ja klar, dass wir beide unsere Tapenamen gegen Schnee gegeben hatten. Fabsen aus Hamburg hatte leider abgesagt, aber auf Dorian und Jette war Verlass. Jette holten wir sogar direkt von der Arbeit ab, was für ein Service! Schnell an ne Tanke und für die Meute und mein Auto flüssige Nahrung klar gemacht.

Kurz vor 15 Uhr kamen wir in Oberhausen an. Letztes Jahr gab es wohl Stress u.a. im dortigen McDonalds, so dass die Sicherheitsauflagen um die Turbinenhalle, wo das Festival immer stattfindet, härter waren. Überall waren Gitter aufgebaut und standen Securities (die waren sogar richtig nett). MC Dreck hat scheinbar überall seine dreckigen Hände im Spiel, jetzt ist man selbst bei Punkkonzerten schon davon betroffen. Ein Grund noch mehr, lieber in andere Restaurants zu gehen. Am Eingang bekam man neben seinem Festivalbändchen noch so eine Art Kulturtasche, mit Zahnbürste und Aggro-Punksampler gratis, fein fein! Als erstes stöberten wir durch die Plattenstände und erledigten erst mal unsere Hamsterkäufe: Platten, CDs, Tapes, Ohrringe und eine DVD. Ich hatte genau wie Dietmar und Dorian ordentlich zugeschlagen. Jette hielt sich zurück, zumindest habe ich bei ihr nichts von einem Kaufrausch mitbekommen.

Nachdem wir die Großeinkäufe im Auto verstaut hatten, kamen wir direkt zu "Supernichts" und hatten schon zwei Bands verpasst: Last Exit Ascheberg (Lied von Franks Zeit in Münster). Das wollten wir gerne hören, aber der Sänger von Supernichts verneinte wie bei jedem SN-Konzert diesen Wunsch. Wir werden nicht aufgeben. Supernichts spielten die üblichen Lieder, auch ein paar von der neuen Platte: Korn-Cola-Light, Du und deine Scheiss FDP, Ingo Dubinski und - Ich möchte nicht so enden wie die ganzen Ramones - kamen beim Publikum am besten an. Trotzdem war in der großen Halle der Sound irgendwie schlecht und ging, wenn man weiter hinten stand, etwas unter, was auch bei den späteren Bands der Fall war. Dietmar und ich holten uns erst mal was zu trinken. An einem Plattenstand staunten meine Augen nicht schlecht, da traute sich echt einer ein Frei-Wild-T-Shirt zu tragen. Es gab dann eine kleine Schupserei und das Hemd wurde ausversehen leicht beschädigt, sorry nochmal. Kurze Zeit später hatte er sich endlich ein anderes T-Shirt zugelegt; ich sehe scheinbar gefährlich aus! Als Dankeschön und kleine Wiedergutmachung hab ich ihm ein Bierchen ausgetan. Die starke gelbliche Verfärbung des Bieres hat ihm zumindest nicht geschadet. Ob er es ganz auf getrunken hatte, wird sein Geheimnis bleiben. Zumindest sah der erste Schluck nach einem gut durchtrainierten Kampftrinker aus.

"S.i.k." bekam ich von weitem etwas mit und hier und da muss ich gestehen, ein paar Texte kannte ich noch von früher und diese Texte waren sehr gut! Muss mal die Tage schaun, ob ich von denen noch irgendwo CDs in meinem Schrank liegen habe. "Emscherkurve 77" verpasste ich genau wie gestern wieder, da es erst mal leckere, vegetarische Bolognese gab. Später traf man noch ein paar nette Leute (Wischi, Manuel, Katze, Lisa, Jana, Viktor, k nebst Freundin, Jan, Tobbe usw...). Sehr gut weg gingen auch meine selbstgemachten Autonome-Jediritter-Aufkleber. "1982" waren richtig gut und sie coverten einen Deutschpunkklassiker nach dem anderen. Sehr gefreut hatten wir uns auf "Pogo in der Straßenbahn". Richtig gute Band, die kamen total gut an. Schade, dass die nicht 1981 heißen, die könnten direkt und gut auf meinem 30igsten spielen. Etwas schlechter war die Version von Computerstaat, aber das haben Slime auch schon mal verhunzt.

Jaaa endlich - "Eisenpimmel" luden ein zur ersten Polonaise. Ihre Auftritte machen besonders nach der letzten Platte wieder richtig Spaß. Hit folgte an Hit! Kleiner Minuspunkt die "Fotzenbimmelbahn" fehlte komplett bei ihrem Set und Lisa tanzte keine Polonaise mit! Dafür gab es "Malle Mallorca", "Schwarzfahren und Saufen", "Komm mal lecker" und der Überhit "Duisburg" durfte nicht fehlen.

Bei "Rawside" erst mal mit Jana schön in den Pogomob. Blaue Flecke gab es im Dauerabo. Dietmar und ich schlenderten noch bei Rawside bei der Essensgabe rum, teilten uns ein lecker Heinecken und landeten durch eine Lücke im Zaun in den Backstagebereich. Auf die Frage eines Ordners, ob wir ein VIP-Bändchen hätten, antworteten wir beide wie aus der Pistole: "Aber natürlich!", und konnten ohne weitere Kontrolle passieren. Hier machten wir es uns erst mal neben der Bühne auf Sitzen gemütlich. Rawside spielten immer noch, aber der Sound war leider richtig schlecht abgemischt. Getränke gab es hier auch, so dass wir nicht befürchten mussten zu verdursten. Dorian und Jette hatten wir inzwischen verloren und keiner hatte scheinbar die SMS gelesen, dass man noch sich dort rein schmuggeln kann. Später war die Zaunabsperrung leider wieder zu. Chance genutzt!!!

Wir gingen nun auf den Balkon vom VIP-Bereich und lauschten den Klängen von "Dritte Wahl". Bei jedem Song grölte ich volle Kanne jede gottverdammte Strophe mit, bei den neuen Stücken selbstverständlich noch etwas sehr textunsicher wie eh und je. Egal, ich liebe einfach Dritte Wahl wie kaum eine andere Band. Später wurde ich (wie immer) gefragt, ob ich überhaupt Auto fahren könne. So wie ich da oben rumgehüpft sei, könnte ich doch nur besoffen sein. Nebenbei noch sehr dickes Lob an den Veranstalter, dass es endlich mal Sinalco-Cola gab.

Als letztes klimbten die "Hannen Aalks" auf die Bühne. Dr. Gido schien wohl der Einzige von der Originalbesetzung zu sein. Was uns da erwartete, war der pure Horror. Diesen Auftritt hätten sie sich auch sparen können. Kein Wunder, dass Fun-Punk in den 90ern zum Schimpfwort geworden ist. Hannen Alks hatten an diesem Verbrechen wohl die größte Mitschuld! Und beim Fun-Punk gibt es so gute Gruppen zu entdecken. Klar - Hannen Alks hatten auch ein paar gute Tracks, besonders das Lied: am Ende vom Tresen kommt besoffen des Öfteren über meine Lippen. Zumindest sollten Hannen Alks lieber ihre Gitarren an den Nagel hängen und Gido besser mit seinem Doktortitel angeben, dann wären sie uns erspart geblieben. Also schnell Beine in die Hand genommen und, so wie viele andere auch, zügig die Halle verlassen, bevor noch jemand denkt, wir fänden die gut! Am zweiten Tag wäre ich gerne auch da gewesen, aber mich erwartet im Januar noch eine fette Strom- und Gasrechnung und so ist Sparen angesagt.

Die Rückfahrt war dann noch ganz lustig. Da leider Winter war, blieb das Cabriodach geschlossen, das Auto wurde zur fahrenden Disco und alle, die dabei waren, wissen: sogar mit echtem Discolicht!


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