"Is schon okay so"
Obwohl es Tackleberry aus Kiel schon eine Weile gibt, ist ihr Debüt "Call Me Green" gerade erst ein paar Monate alt. Wer schnellen und aggressiven Hardcore-Punk mit Aussage sucht, ist hier richtig. Gerade haben Tackleberry ihre Soli-Tour für die russische Antifa beendet. Doch im April stehen noch weitere Dates an. Ein paar Fragen an Sänger Hannes.
Redaktion:Ich habe gelesen, dass Ihr Euch per Anzeige gefunden habt. War das so das klassische "will Band gründen"-Ding?
Nö ja, 'ne Anzeige war es nicht. Aber es war ähnlich klassisch unspektakulär. Der Eine kennt einen Anderen und der kannte noch Einen und dann hat man uns verkuppelt. Unser Bassist hat unseren damaligen Gitaristen im örtlichen Musikalienladen kennen gelernt. So nach dem Motto:"Geiles Riff, Aller! Magst Du auch Hardcore?". Ganz schön spackig, wa?
Redaktion:Eure Russland-Tour soll ja nicht durchgängig glatt gelaufen sein, was gibt es dazu zu sagen?
Nun, wir waren 2006 in Russland für eine Woche. Wir haben wirklich fantastische Konzerte gespielt und tolle Menschen kennen gelernt. So weit, so schön. Leider kam es dann im Umfeld unseres letzten Konzerts in Moskau zu einem feigen Mord. Ein Junge, der mit einem Freund auf dem Weg zum Konzert war, wurde von Nazis aufgelauert und erstochen. Das Ganze geschah 200 Meter von dem Club entfernt auf offener Straße vor einem Supermarkt. Das ist das beschissenste was uns als Band je passiert ist. Eigentlich finde ich auch immer noch keine passenden Worte dafür. Es war das einzige Mal, dass ich zu Hause angerufen habe, weil ich unbedingt mit jemandem reden musste. Um ehrlich zu sein, musste ich getröstet werden...
Wir wussten im Vorfeld der Tour schon von dem Nazi-Problem in Russland und wir wurden auch ständig von unseren russischen Freunden ermahnt vorsichtig zu sein, aber dass so etwas passieren würde, hätten wir nie gedacht. Wir waren vorher sicher schon Antifaschisten, doch ist dieses Problem in Deutschland noch von ganz anderer Qualität. Faschismus in Russland und Osteuropa wird hierzulande viel zu stiefmütterlich behandelt. Seit der Tour in Russland sind wir alle sehr viel sensibler geworden was faschistische Aktionen angeht. Mir kommt echt die Galle hoch, wenn ich sehe wie offen und dreist man Nazis in mancherorts agieren lässt...
Redaktion:Eure vergangene Tour war daher eine Solitour?
Ja, es ist eine Solitour um Geld für die russische Antifa und die Familie des ermordeten Jungen zu sammeln.
Redaktion:Und wie kam es, dass ihr innerhalb eines Jahres 2 Splits, dann aber erst 2 Jahre später Euer Album veröffentlicht habt?
Auf den beiden Splits ist ja auch das Gleiche drauf.:) Das mit dem Album hat halt so lange gedauert, da wir ja lieber live spielen als in irgendeinem Studio rumzuschimmeln. Außerdem nervt das mega!
Redaktion:Wie zufrieden seid Ihr nun mit "Call me Green"?
Is schon okay so. Mal ist dies zu laut und das zu leise, aber das hören sowieso nur noch Nerds. Ich bin soweit noch ganz zufrieden.
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